
Berliner Manifest zu Männerpolitik und Geschlechterdemokratie
"Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." (Art. 3, Abs. 2 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland)
Das Recht von Männern und Frauen in Deutschland auf gleichwertige DasEntwicklungschancen in Ausbildung und Beruf sowie auf partnerschaftliche Aufgabenteilung in allen Lebensfeldern ist grundgesetzlich geschützt. Der Staat hat sich verpflichtet, die Gleichstellung von Männern und Frauen durchzusetzen.
Wir stellen fest,
dass das Grundrecht auf Gleichberechtigung bis heute nicht in vollem Umfange verwirklicht ist. Ökonomische und soziale Rahmenbedingungen sowie traditionelle Rollenbilder verwehren Männern und Frauen gleichwertige Chancen und Wahlmöglichkeiten in allen gesellschaftlichen Bereichen. Institutionslogiken, Sachzwänge und Gewinnstreben entwickeln Eigendynamiken, die offen oder verdeckt traditionelle Geschlechterverhältnisse erhalten und innovative Rollenmuster verhindern. In den Bereichen, in denen sich Politik mit der Aufhebung solcher Hemmnisse beschäftigt, hat sie die Interessen von Männern, die neue Rollen leben wollen, nicht oder nur unzureichend im Blick. Traditionell wird Familien- und Geschlechterpolitik in der Bundesrepublik Deutschland weitgehend an Männern vorbei gemacht. Männer sind Objekte von Appellen und Kampagnen, als Subjekte innovativen familien- und geschlechterpolitischen Handelns sind sie nicht gefragt.
Wir fordern
einen Perspektivwechsel in der Familien- und Geschlechterpolitik. Wer Männerveränderung will, muss im Rahmen der Gleichstellungspolitik Männern mehr Raum geben. Das Geschlechterkampf-Denken ist überholt. Wir fordern eine Politik, die ihren Blick nicht nur auf Frauen richtet, sondern gleichberechtigt die Belange von Männern berücksichtigt. Das heißt:
Wir ermutigen Männer, sich verstärkt auf neue partnerschaftliche Rollenmodelle und Aufgabenverteilungen einzulassen. Der "Lohn" besteht in einer von Akzeptanz und Liebe genährten emotionalen Lebensqualität, in einer Ganzheitlichkeit der persönlichen Identität, in einem Zugewinn an zwischenmenschlicher Erfahrung und sozialer Kompetenz, die sich auch im Berufsleben positiv auswirken.
Wir rufen die Bundesregierung, alle Parteien, die Tarifpartner, Kirchen und andere gesellschaftliche Institutionen auf, Geschlechterdemokratie ernst zu nehmen. Nachhaltig geht dies nur, wenn wir neue und mutige Lösungen für individuelle, institutionelle und betriebliche Erfordernisse finden. Lasst uns hierfür als Männer eintreten und das Gespräch mit den Frauen suchen.
"Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Er schuf ihn als Mann und Frau!" (1. Mos. 1,24)2. Internationaler Kongress der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Berlin, 30. September 2001
